Tagebuch Brasilien

Die vielen unglaublichen Erlebnisse und Eindrücke sind kaum in ein paar Zeilen zu pressen. Am Beeindruckendsten, neben der herrlichen Natur, sind sicher die warmherzigen und gastfreundlichen Menschen.

Donnerstag, 3. Oktober 2019/ Freitag, 4. Oktober 2019

Zunächst waren da die privaten Kontakte nach Pomerode und Blumenau. Dann kam vor knapp zwei Jahren die Idee, eine Konzertreise dorthin zu unternehmen. Anfangs noch sehr nebulös, auch Skepsis bei dem einen oder anderen war zu vernehmen. Die Idee nahm immer mehr konkrete Züge an. Um die Finanzierung wurde sich gekümmert. Fördermittel, Sponsorengelder, Konzerteinnahmen und und und. Dann Titelauswahl, Programme zusammenstellen und in den letzten Wochen vor der Reise verschärfte Proben zweimal in der Woche und auch an einigen Wochenenden. Zudem noch an alle organisatorischen Dinge denken.

Dann ist es endlich soweit. Am 3. Oktober 2019 in der Frühe beginnt das Abenteuer auf dem Bahnsteig in Plessa. Um 8.18 Uhr fährt die S-Bahn nach Leipzig ab.Ganz am Anfang der ersten großen Konzertreise des Jugendblasorchesters Plessa: Warten auf den Zug auf dem heimischen Bahnhof. Dort treffen wir uns mit den Kolleginnen und Kollegen, die aus Finsterwalde und Dresden angereist sind. Eine Platzreservierung für den ICE hat durchaus seine Vorteile. An diesem Tag trifft wieder einmal der Slogan zu: „Genießen Sie das Leben in vollen Zügen“. Rechtzeitig am Flughafen in Frankfurt angekommen haben wir alle Zeit der Welt zum Einchecken und für die Sicherheitskontrolle. Aber erster Schock, für die größeren Instrumente müssen wir Übergepäck bezahlen. War so nicht vom Reisebüro angekündigt. Es belastet die Orchesterkasse zusätzlich. Es folgen zwölf Stunden Nachtflug. Noch in der Dunkelheit kommen wir in Sao Paulo an. Gepäck schnappen und die nächste Herausforderung meistern, nämlich mit einem Shuttle-Bus zum Inlandsflughafen am anderen Ende der Stadt mitten durch die selbige fahren. Der fährt nicht so oft, muss sich durch den Stadtverkehr quälen und hat auch nur unwesentlich mehr als 46 Sitzplätze, die wir benötigen. Herausforderung gemeistert und rechtzeitig angekommen.

Dann am frühen Nachmittag der Empfang in Navigantes durch Alcides und Charles Schneider, die in Brasilien unsere Reise vorbereitet hatten und für die nächsten zwei Wochen unsere Begleiter sein werden. IMG-20191004-WA0029.jpgRiesenüberraschung: Zwei 5-Sterne-Luxusreisebusse mit jeweils 27 Sitzen wie in der Business-Class im Flieger stehen für uns bereit. Ob die Berliner Philharmoniker auch so komfortabel kutschiert werden bei ihren Auslandstourneen? Wenn doch nur die Straßen etwas besser wären… Die längeren Strecken werden wir später mit einem etwas größeren, aber kaum minder komfortablen Bus fahren. Zunächst an der Küste entlang geht der Weg nach Pomerode in unsere Unterkunft, einem kleinen schicken Hotel garni. Wir werden mit einem reichhaltigen Imbissbuffet empfangen. Eigentlich sind alle fix und fertig nach rund 36 Stunden auf Bahn, Flug und Bus. Aber zu Abend wollen die meisten ja schließlich auch noch etwas essen und vor allem trinken. Also geht es auf zur Brauerei Schornstein, wo es trotz der Erschöpfungszustände noch ein schöner Abend wird.

Samstag, 5. Oktober 2019

Beizeiten aufstehen. Ab 7 Uhr Frühstück, weil um 8 Uhr Abfahrt zur Kaserne nach Blumenau. Wir fügen uns in die Reihen der Kollegen vom Militärorchester ein. Mit den Nachbarn im gleichen Register trotz der Sprachbarrieren sofort Namen ausgetauscht und Kontakt aufgenommen. Der Dirigent Paolo begrüßt uns mit herzlichen Worten, später auch der Kommandant der Einheit. Etwa zwei Stunden Probe der Titel, die wir beim Konzert mit dem Militärorchester gemeinsam spielen wollen. Nach der Probe werden wir in eine Freizeithütte auf dem Übungsgelände der Einheit gefahren. Es gibt reichlich Getränke, für die größeren Menschen frisch gezapftes Bier und einen hervorragenden Caipirinha. Und ein schmackhaftes Mittagessen. Zurück zur Kaserne und umziehen in unsere bergmännische Auftrittskleidung.

Dann geht es zum Oktoberfestgelände. Uns wird der Paradeweg gezeigt und dann die Eisenbahn-Halle, in der wir zum Oktoberfest auftreten werden. Eisenbahn deswegen, weil die Brauerei in Blumenau so heißt. Dann werden wir von der Honorarkonsulin und dem Bürgermeister von Blumenau begrüßt. Der Bürgermeister in Oktoberfesttracht mit rot kariertem Hemd und Lederhose. Mit dabei sind einige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Dann bleibt eine Busladung in Blumenau zum Abendessen. Die andere fährt nach Pomerode zurück und einige speisen im Schornstein.

Sonntag, 6. Oktober 2019

Wieder zeitig aufstehen. Es regnet. Kurzes Frühstück, es soll später noch etwas geben. Wir fahren nach Blumenau zum Museum der Schützenvereine. Die Kuratorin erklärt uns vieles zur Geschichte der Vereine und zu den Ausstellungsstücken. Es übersetzt keine Geringere als die Honorarkonsulin. Einige Schützen sind in ihren Trachten dabei, wie z.B. zwei bildhübsche junge Damen, die eine als Königin, die andere als Prinzessin. Nach der Museumsbesichtigung packen wir unsere Instrumente aus und spielen für die anwesenden Schützen „Alte Kameraden“ und „Puttin‘ On The Ritz“. Es wird uns ein reichliches und schmackhaftes Spätfrühstücksbüffet gereicht.

Dann fahren wir in das Haus des Schützenvereins, in dem Charles Schneider Präsident ist. Die Blumenauer Hausmusikanten machen zu viert schon richtig Stimmung. Wir bauen unsere Instrumente und Notenpulte aus. Es gibt reichlich Getränkemarken, für die kleineren Menschen für alkoholfreie Getränke, für die etwas größeren für Bier von der Eisenbahn-Brauerei. Die Schützen haben ein phantastisches Mittagessen vorbereitet. Ente, Schwein, Hackbraten und noch mehr, alles im hauseigenen Backofen zubereitet. Dazu verschiedene Beilagen, Rohkost, Maniok, Reis, Kartoffelsalat und noch einiges mehr. Um 13.30 Uhr scharfer Start für unser erstes Konzert. Wir spielen das Oktoberfestprogramm. Frank Werner stellt unser Dorf und unser Orchester kurz vor. Alcides Schneider, der Vater von Charles, übersetzt. Dann nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Die etwa 400 Zuhörer gehen begeistert mit unserer Musik mit. Vor allem dann, wenn wir bekannte deutsche Stimmungslieder, Märsche und Polken spielen. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Wir können unser Programm aus zeitlichen Gründen leider nicht in voller Länge spielen. Die Freunde von Charles‘ Stammtisch spendieren uns noch jede Menge Bier. Es wird ein feuchtfröhlicher Ausklang des Nachmittags.

Am Abend fahren die meisten von uns in eine Pizzeria. Zum Pauschalpreis reichen die Kellner Pizzastücke mit unterschiedlichsten Belägen. Am Büffet kann man sich ebenfalls bedienen.

Montag, 7. Oktober 2019

Aufstehen, Frühstück, Abfahrt um 8.30 Uhr nach Camboriu. Nach zwei Stunden Fahrt kommen wir in der Stadt an der Atlantikküste an. Viele Hochhäuser, Straßenschluchten, ein schier unendlich langer Strand. Am Rande der Stadt ein Berg, auf den eine Seilbahn führt. Der Besitzer der Seilbahn hat uns Dank der Vermittlung von Alcides die Fahrt gesponsert und teilt persönlich die Tickets aus. Wir bedanken uns mit einem Applaus. Leider regnet es und die Sicht ist nicht die allerbeste. Auf dem Berg gibt es auch eine Sommerrodelbahn, die eifrig genutzt wird.

Der Verfasser des Tagebuchs hat einen rabenschwarzen Tag erwischt. Er hätte seinen Reisepass für eine finanzielle Transaktion vom Orchesterkonto dabeihaben müssen. Hat er aber nicht. Mit Charles zurück nach Pomerode, Pass holen, nach Blumenau zur Bank und dann am Nachmittag erfahren, dass es so nicht geht, wie wir das wollten. Alles für die Katz.

Wieder herunter vom Berg wird der Nachmittag nach dem Essen zum Baden und für Strandspaziergang genutzt. Vor der Rückfahrt gegen 20 Uhr wurde die Stadt noch in der Dunkelheit durchstreift.

Dienstag, 8. Oktober 2019

Abfahrt bereits um 6 Uhr, also mitten in der Nacht. Ohne Frühstück, nur Kaffee gibt es. Wir fahren in Richtung Norden nach Espinheiros. Nach gut zwei Stunden halten wir zum Frühstück an einer Raststätte. Dann der nächste Schicksalsschlag. Bärbel stolpert und fällt unglücklich auf die Nase. Blut ohne Ende. Eine Ambulanz wird gerufen. Ab ins Krankenhaus zur Untersuchung. Andrea und Charles fahren mit. Aus der geplanten halben Stunde Pause werden anderthalb Stunden. Wir kommen gerade noch rechtzeitig in zur Abfahrt des Schiffes um 10.30 Uhr an. Gut zwei Stunden fahren wir durch die interessante Inselwelt. Üppige Vegetation auf den Inseln und schicke Häuschen an den Stränden. An einigen Stellen tummeln sich Delfine. Während der Fahrt gibt es an Bord ein schmackhaftes Mittagsbüffet. Dann legen wir in Sao Francisco do Sul an. Eine schöne Altstadt erwartet uns. Etwa 1:20 Stunde haben wir Zeit an Land. Eine Stadtführerin steht uns zur Verfügung, Alcides übersetzt. Allerdings machen nur wenige von dem Angebot Gebrauch. Eine Journalistin begleitet uns kurz und macht vor der Kirche ein Foto. Sie will morgen über uns berichten. Wir besichtigen u.a. die katholische Kirche und ein kleines Schifffahrtsmuseum. Inzwischen erfahren wir, Bärbel ist in Ordnung, Nase nur geprellt, nichts ernsthaft kaputt. Die Rückfahrt auf dem Wasser ist etwas kürzer, es geht auf direktem Wege zurück. Andrea, Bärbel und Charles sind inzwischen auch da. Wir fahren noch in die Berge an einen Aussichtspunkt. Dort presst jemand Saft aus Zuckerrohr. Mit etwas Limette drin ein wahrhaft köstliches Gesöff. Gegen 21 Uhr sind wir zurück. Einige gehen noch in die Stadt zum Essen.

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Wir müssen nicht ganz so zeitig aufstehen. Nach dem Frühstück ist um 9 Uhr Abmarsch zur Probe. Wir können den Probenraum eines ortsansässigen  Musikvereins gleich neben dem Theater nutzen. Zum Abschluss noch eine schweißreibende Marschprobe in der Spätvormittagshitze. Essen in einem
„Großraumrestaurant“. In dieser Gegend ist Buffet zum Festpreis, manchmal auch nach Gewicht der Speisen, üblich.
Um 15 Uhr starten wir in Richtung Blumenau, holen Alcides und Charles ab und fahren zum Restaurant „Biergarten“. Instrumente auspacken, noch etwas trinken und frisch machen. Gegen 18 Uhr brechen wir zum nahegelegenen Stellplatz für die Parade auf. Wir stehen an einer Straßenecke, vor uns gibt Charles ein Interview für einen TV-Sender. Im Hintergrund spielen wir Musik. Das soll bundesweit im brasilianischen Fernsehen laufen. Auf der Paradestraße formieren sich weitere Musikkapellen. Die Zuschauerreihen hinter den Absperrungen füllen sich. Um 19.30 Uhr beginnt die Parade zur Eröffnung des Oktoberfestes durch die Hauptgeschäftsstraße von Blumenau. Wir sind ganz vorn im Zug an fünfter Stelle. Die Zuschauer stehen dicht gedrängt auf dem Fußweg und applaudieren
und winken uns zu. Nach gut einer halben Stunde ist es geschafft. Später erfahren wir, dass etwa 3.000 Mitwirkende im Zug waren und etwa 25.000 Menschen zugeschaut haben.
Auf schnellstem Weg geht es mit dem Bus zum Oktoberfestgelände. Dort sollen wir noch einen Einmarsch spielen. Zunächst ist 21 Uhr angesetzt. Daraus soll 21.30 Uhr und später 22 Uhr werden. Es tut sich nichts. Es macht das Gerücht die Runde, man warte noch auf einen wichtigen Politiker. Außer Alcides und Charles kümmert sich keiner um uns. In den zwei Stunden Wartezeit werden wir nicht mal mit Wasser versorgt. Kurz nach halb elf geht es los. Einige als Mönche verkleidete Menschen gehen mit Fackeln vorweg, wir hinterher mit Marschmusik. Auf dem Weg zum Halleneingang wird ein übergroßes Bierglas aus einem Schrein genommen und in die Halle getragen. Es soll an die Tradition des Bierbrauens durch die Mönche in der Fastenzeit erinnern. Der Träger ist in jedem Jahr jemand, der sich um die Stadt Blumenau verdient gemacht hat. Auf der Bühne wird das Glas übergeben. Es erklingen zunächst die deutsche und dann die brasilianische Nationalhymne. Dann folgen die Eröffnungsreden einiger Honoratioren. Und der obligate Fassanstich. Das Bier spritzt in hohem Bogen
in den Saal. Nachdem die Eröffnung durch ist, essen und trinken wir noch etwas. Abfahrt gegen halb eins. An diesem Abend sollen 37.000 Menschen in den vier großen Hallen und auf dem umliegenden Festgelände gewesen sein.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Nach den anstrengenden Tagen endlich Freizeit. Der Pool und die Sitzgelegenheiten im Freien werden genutzt, einige gehen in die Stadt. Zum Mittagessen fahren wir in ein Restaurant im Ort. Das Angebot am Buffet ist noch ein bisschen besser als am Vortag. Um 15 Uhr Abfahrt nach Blumenau. Wir gehen
in die Halle, wo dann unser Auftritt sein soll. Es ist die etwas kleinere der vier riesig großen Hallen. Sie wurden seinerzeit eigens für das Oktoberfest gebaut und werden in der übrigen Zeit des Jahres für Veranstaltungen, Konzerte und Messen genutzt. Die Band auf der Bühne spielt den für das Blumenauer Oktoberfest typischen Sound. Nach höchstens drei Titeln das obligatorische „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ und „Eins, zwei, drei g’suffa“. Kurz vor 18 Uhr richten wir uns auf der Bühne ein.
Die Stimmung ist gut, die Besucher freuen sich uns hören zu können. Annabell und Gregor tanzen die „Annemarie-Polka“ vor, und es gibt tatsächlich eine Reihe von mutigen Tanzpaaren, die sich auf die Tanzfläche trauen und mittanzen. Andrea und Eva singen die „Rosamunde“, das mit Abstand bekannteste und beliebteste Lied in dieser Region, mit einem portugiesischen Text. Der Refrain geht in eine gefühlte Endlosschleife. Neben den böhmischen Polken sorgen vor allem die „Alten Kameraden“ für Stimmung. Nach zwei Stunden kommen wir nicht ohne Zugabe von der Bühne, natürlich noch einmal die „Rosamunde“. Wir bleiben noch bis halb zwölf, es gibt genug Getränkemarken.
Wir haben Gelegenheit, uns in den einzelnen Hallen umzuschauen. In jeder Halle wird eine Bühne bespielt. Eine Band spielt so etwa zwei bis drei Stunden, dann Wechsel. Der Sound und die Titelauswahl ähneln sich. So etwa wie Musikantenstadl oder Silbereisen-Fernsehen. Man kann es auch Alpen-Rock nennen. Einige meinen etwas augenzwinkernd und ironisch, das hätten wir in gut 600 oder 700 km Entfernung auch haben können. Gleichwohl, alle Kolleginnen und Kollegen auf den einzelnen Bühnen geben sich große Mühe und halten die Stimmung am Kochen.

Freitag, 11. Oktober 2019

Heute wieder Freizeit. Zum Mittagessen wieder in ein Restaurant in Pomerode. Noch eine Spur besser. Die Kellner kommen im gefühlten Minutentakt mit Fleischspießen an die Tische. Zwölf verschiedene Sorten. Vom Essen verstehen die Brasilianer etwas, vor allem von der Zubereitung des
Fleisches.
Wir fahren in das Theater von Pomerode, ein sehr schöner Konzertsaal für etwa 500 Besucher mit einer großen Bühne und einer sehr guten Akustik. Um 18 Uhr ist Anspielprobe. Die „Originalen Regabläser“ wollen zwei Titel mit uns gemeinsam spielen, die wir ebenfalls üben. Um 20 Uhr ist der Saal zu etwa dreiviertel gefüllt. Zu Beginn spielen wir ein Oberkrainer Medley und den „Böhmischen Traum“ gemeinsam mit den „Originalen Regabläsern“ aus Pomerode. Die müssen dann leider weg, weil sie noch einen Auftritt beim Oktoberfest in Blumenau haben. Frank stellt in seiner Anmoderation kurz unseren Ort und das Orchester vor, Alcides übersetzt. Dann spielen wir ein sinfonisches Konzert.
Obwohl es sich durch die Moderation und die Übersetzung etwas hinzieht, hören die Besucher aufmerksam bis zum Schluss zu, wohl auch deswegen, weil sie viele Titel nicht kennen. Zum Beispiel das Medley mit Ostrocktiteln, die Filmmusiken „Zur See“ und „Die Olsenbande“ oder auch „Nessaja“ von Peter Maffay. Natürlich kommen wir wieder nicht ohne Zugabe von der Bühne. Anschließend sind wir vom Bürgermeister zum Essen eingeladen. Es wird ein Stück nach Mitternacht, bevor wir wieder im Hotel sind und damit eine kurze Nacht.

Samstag, 12. Oktober 2019

Fast mitten in der Nacht aufstehen. Um 7 Uhr ist Abfahrt nach Timbó. Der Ort feiert an diesem Wochenende den 150. Jahrestag seines Bestehens, also auch eine deutsche Gründung. Um 9 Uhr beginnt der Festumzug. Wir sind nach der Spitze des Zuges mit Fahnenträgern und den Honoratioren der Stadt einschließlich Bürgermeister die erste Kapelle. Wiederum einige tausend Zuschauer stehen an der etwa halbstündigen Paradestrecke. Dann geht es in der großen Festhalle weiter. Um 11 Uhr soll es Mittagessen geben. Daraus wird kurz vor zwölf. Wir sind halt in Brasilien. Preußische Pünktlichkeit ist hier ein Fremdwort. Das erfahren wir kurz darauf erneut. Unser Auftritt sollte ursprünglich um 13 Uhr beginnen. Daraus wird kurz vor 15 Uhr. Derweil machen sich bei vielen Erschöpfungszustände breit. Im Backstagebereich wird jede Möglichkeit zum Ruhen oder für einen kurzen Schlaf genutzt. Vor uns spielt ein ortsansässiges Orchester. Andrea bekommt kurzfristig einen Job an der Tuba und darf das Orchester beim „Fliegermarsch“ dirigieren. Dann sind wir dran. Die Stimmung ist bestens, den Leuten gefällt unsere Musik. Wieder „Annemarie“ mit Vortanzen und „Rosamunde“ auf portugiesisch. Zum Abschluss spielen wir drei Titel gemeinsam mit dem Orchester
aus Timbó. Musik ist eben eine internationale Sprache, die nicht nur uns Musiker verbindet. Andrea, Charles und Frank erhalten für ihre Bemühungen um die Vorbereitung und Durchführung der Reise vom Bürgermeister der Stadt Timbó einen Präsentkorb, gefüllt mit verschiedenen Sorten Bier, einem Bierglas und Schokolade. Nach einigen Getränken treten wir kurz nach 17 Uhr den Rückweg an.

Sonntag, 13. Oktober 2019

Wieder zeitig aufstehen. Abfahrt ist für 7 Uhr angesagt. Es wird kurz nach halb acht. Zwei Stunden Fahrt bis an die Küste nach Porto Belo. Von der Marina setzen wir mit zwei Yachten auf ein kleines schwimmendes Restaurant in einer malerischen Bucht über. Erstmal sitzen, schauen und etwas trinken. Einige gehen ins Wasser und haben sichtlich ihren Spaß daran. Eine der Yachten gehört demKonsul. Für ihn und die anderen umliegenden Boote spielen wir die wohl ungewöhnlichste Muggeever. In Badesachen und mit unseren Bergmannskrawatten erklingen einige Titel aus dem Oktoberfestprogramm. Ein bisschen Dienstkleidung muss halt sein. Nach dem Essen setzen wir aneinen Strand über. Dort schauen wir uns ein kleines Museum über Wale und Tiere der Ur- und
Frühgeschichte an. Es bleibt genügend Zeit zum Baden. Wir setzen wieder zur Marina über und steigen gegen 18 Uhr in den Bus. Sonntagabend ist Katastrophe, alles steht im Stau. Wir mitten drin.
Die Fahrzeit von eigentlich zwei Stunden verdoppelt sich. Zwischendurch halten wir bei einem Laden an, den wir wohl Krämerladen nennen würden. Noch etwas zu Abend essen und die eine oder andere Kleinigkeit einkaufen.

Montag, 14. Oktober 2019

Dreiviertel acht Abfahrt nach Blumenau. Wir proben gemeinsam mit dem Militärorchester das Programm für das Konzert am Abend. Danach noch Absprachen zwischen Andrea, Paolo, dem Dirigenten des Militärorchesters, Alcides, Charles und Frank über den Programmablauf und die Gestaltung der Moderation. Noten müssen noch wechselseitig Noten kopiert werden, damit wir möglichst alle Titel gemeinsam spielen können. Rückfahrt nach Pomerode zum Mittagessen. Schornstein ist voll, Pizzeria hat montags geschlossen. Café vom Schornstein bleibt noch. Ins Hotel, umziehen und 15.30 Uhr Abfahrt nach Blumenau. Wir sind bereits dreiviertel fünf im Theater, abgemacht war viertel sechs. Vom Militär fast niemand zu sehen um diese Zeit. So pünktlich ziehen die Brasilianer wohl doch nicht in den Krieg. Etwa gegen 18 Uhr sind dann alle da. Letzte Absprachen, restliche Noten verteilen und warten. Es gibt noch einen kleinen Imbiss. Kurz vor 20 Uhr führt das Blumenauer Fernsehen backstage noch Interviews mit Andrea und Paolo. Um 20 Uhr gehen wir aus den Seitenkulissen geordnet so wie bei der Probe besprochen auf die Bühne. Andrea und Paolo kommen gemeinsam durch den Saal. Der Theatersaal mit etwa 600 Plätzen ist zu gut dreiviertel gefüllt. Kurze Begrüßung durch Alcides. Dann erklingen beide Nationalhymnen. Alcides stellt das Militärorchester von. Frank spricht eine kurze Begrüßung, Alcides dann den etwas längeren von uns vorbereiteten Text für unsere Vorstellung auf portugiesisch. Alcides übernimmt auch allein die Moderation. Das spart Zeit, man muss nicht unbedingt alles in deutsch vorlesen. Im Programm spielen wir abwechselnd einen deutschen und einen brasilianischen Titel. Entsprechend wechseln Andrea und Paolo jeweils das Dirigat. Wir haben ein Ostrockmedley, die Filmmelodie „Zur See“, den Fliegermarsch, Puttin‘ On The Ritz und den Radetzkymarsch im Gepäck. Zum Schluss bedankt sich Frank im Namen des Orchesters bei allen Honoratioren, Helfern und Unterstützern vor Ort sowie bei den Medien für das Interesse und die Berichterstattung. Ohne Zugabe kommen wir nicht davon. Es erklingt Lilli Marleen. Anschließend herzliche Verabschiedung von den Kollegen des Militärorchesters. Noch so manches Foto mit den Kollegen der einzelnen Register entsteht. Dann ab zum Pizzaessen. Gegen ein Uhr sind wir im Hotel.

Dienstag, 15. Oktober 2019

Nach einer kurzen Nacht (das sind wir ja inzwischen gewöhnt) kurz nach 7 Uhr Abfahrt nach Blumenau. Alcides und Charles sagen uns, wir würden zum Bürgermeister fahren. Aber es kommt noch viel dicker, was die beiden da eingefädelt haben. Wir stehen plötzlich im Foyer des Sitzungssaales des Blumenauer Stadtrates. Wir spielen zwei Stücke. Dann dürfen wir in den Zuschauerreihen Platz nehmen. Andrea, Alcides und Frank werden nach vorn ins Sitzungspräsidium gebeten. Der Präsident des Stadtrates und ein weiterer Stadtrat begrüßen uns. Frank wird um ein Grußwort gebeten, das Alcides übersetzt. Wir bedanken uns auf das herzlichste für die freundliche und warmherzige Aufnahme hier in Blumenau und für die schöne Zeit. Anschließend erhält Andrea eine Urkunde des Stadtrates für das Orchester. Nun wird jeder einzelne nach vorn gebeten und erhält jeweils eine Urkunde mit seinem Namen, auch die mitgereisten „Zivilisten“. Wir spielen noch drei Titel. Fototermin und anschließend noch Smalltalk und herzliche Verabschiedung. Wir fahren zum Mittagessen ins Ataliba, ein sehr schickes Restaurant. Es laufen viele Kellner mit noch mehr Fleischspießen herum. Man kann sich dem nur schwer entziehen. Wie schon gesagt, vom Essen verstehen die Brasilianer eine ganze Menge. Währende des Essens läuft auf Blumenau-TV eine Berichterstattung über unser Konzert am Vorabend. Beifall brandet auf. Bei jeder Naheinstellung werden die Betreffenden frenetisch gefeiert. Danach gehen wir für zwei Stunden in eine Shopping-Mall. Dann Rückfahrt, so dass wir gegen halb sieben zurück sind. Die zeitige Rückkehr hat sicher allen gutgetan, einen Abend ohne Stress zu verbringen und vielleicht auch einmal etwas früher zu Bett zu gehen.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Abfahrt soll gegen 8 Uhr sein. Der Bus kommt mit Verspätung an. Gegen 9 Uhr sind wir in der Textilfabrik Karsten in der Nähe von Blumenau. Von Vertretern der Betriebsleitung werden wir herzlich begrüßt. Zunächst gehen wir durch die Schauräume. Das Unternehmen stellt hochwertige Bettwäsche. Tischdecken, Handtücher und ähnliches her. Wir sehen eine Videopräsentation zum 136-jährigen Bestehens des Unternehmens. Eine Gründung von deutschen Auswanderern aus Schleswig-Holstein. Anschließend ein kleiner Imbiss. Nun werden wir über das weitläufige Betriebsgelände gefahren und besichtigen verschiedene Hallen. Ohne Gehörschutz geht nichts. Es ist wahnsinnig interessant zu sehen, wie die Maschinen zunächst das Garn spinnen und dann die Fäden zu Handtüchern, Decken, Bettbezügen und andern Sachen weben mit all den Mustern darauf. Gegen halb eins spielen wir in der Betriebskantine ein Konzert. Die Zuhörer sind begeistert. Nach einer dreiviertel Stunde erhalten wir dann ein Mittagessen. Da es im Betriebsgelände ist, ist es das erste Mittagessen ohne Bier für die größeren Menschen. Dann fahren wir zur werkseigenen Verkaufsstelle. Vorher haben wir einen Gutschein über 15 % Rabatt erhalten. Viele von uns machen von den Angeboten Gebrauch. Nun geht es in die Brauerei Eisenbahn. Kurz nach vier sind wir da, packen unsere Instrumente aus und beginnen zu spielen. Von den größeren Menschen wird Bier getrunken, zumeist in Maßkrügen. Die Hausmusikanten sind auch da. Nach halb sechs sind wir fertig und sie übernehmen. Dann wird gegessen. Zwischenzeitlich kommt eine Drei-Mann-Band. Das Mädel an der Gitarre hat eine angenehme Altstimme, der Bassist spielt zwischendurch auch mal Altsaxofon und der Schlagzeuger hat noch ein kleines Keyboard neben sich stehen, auf dem er auch ab und zu mit einer Hand spielt. Sie beginnen mit CCR. Die Stimmung ist toll. Einige von uns tanzen. Weitere bekannte Titel folgen, auch brasilianische, die uns nicht so ganz geläufig sind. Es ist eine feuchtfröhliche Party. Eigentlich wollten wir um 19 Uhr starten. Daraus wir kurz vor neun. Jetzt noch Koffer packen, weil morgen früh geht es zeitig los nach Florianapolis. Mit unserem ansonsten sehr freundlichen und umgänglichen Hotelwirt Rolf gibt es noch Stress, weil eine Vorauszahlung auf die Hotelrechnung angeblich nicht eigegangen sein soll. Das Problem können Andrea und Frank allerdings nicht lösen, weil Simone, die Schatzmeisterin, um diese Zeit in Deutschland noch im tiefen Schlaf liegt. Wir hoffen, Rolf beruhigt sich und wir bekommen das Problem am kommenden morgen gelöst.

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